Ströbele zum 70.

June 15, 2009

Durch Klick auf den Comic selbigen im Internetz anschieben, geht dann wie durch ein Wunder weiter bei der taz.

Bulletten im Schatten der Mauer

May 14, 2009

Rückblick auf die Berliner Szene:
die Comics von Gerhard Seyfried

Wer in den späten Siebzigern, frühen Achtzigern aufwuchs, der konnte ihm kaum entkommen. “Wo soll das alles enden” und “Freakadellen und Bulletten”, die beiden ersten Bücher von Gerhard Seyfried, gingen von Hand zu Hand, reizten zu prustender gemeinsamer Lektüre und wurden, wenn es ums Illustrieren von Schülerzeitungen ging, ausgiebig geplündert. Der tölpelhafte Ordnungshüter, der statt “Stop! Polizei” wütend “Pop!” Stolizei!” und “Stei! Polizop!” ruft; ein Paar Handschellen, daneben das Wort “Abführmittel” - mit solchen Gags hat der Berliner Zeichner das Humorverständnis einer ganzen Generation mitgeprägt. Und wer in einer langweiligen Kleinstadt zu Hause war, dem verhießen Seyfrieds Szenen aus der Szene damals eine Ahnung von Freiheit und Abenteuer.

Liest man heute kreuz und quer in den zwei voluminösen Bänden, die der Zweitausendeins Verlag dem Zeichner zu seinem sechzigsten Geburtstag im vergangenen Jahr gegönnt hat, so will sich dieses Gefühl nicht mehr einstellen. Was frech, provokant daherkam, wirkt gemütlich, fast ein wenig spießig. Eine kleine Welt mit überschaubaren Strukturen wird aufgebaut, in der die bürgerliche Enge, aus der die Freaks entkommen zu sein glauben, sich auf kuriose Weise spiegelt. Ja, so muss es gewesen sein, als Kreuzberg noch im Schatten der Mauer lag, und obwohl das nun schon seit zwanzig Jahren vorbei ist, wirft die Erinnerung an diese Zeit einen Glanz noch auf die jüngeren Arbeiten Seyfrieds. Es steckt aber auch etwas - und das ist sehr sympathisch - von Lausbubenträumen, von Cowboy- und Indianerspielen in diesen Geschichten; von ihnen lässt sich eine Linie zurück zu Walter Trier und Wilhelm Busch ziehen … (more…)

Legalize Meyer!

May 12, 2009

Die vielleicht härteste Droge der Gegenwart wird 60.

Hier ein Archivbild aus seiner kommunalpolitischen Ära (es ging wohl um die Legalisierung dieses Grasballens). Ordentlich gefeiert wird das Ganze am 16. Mai. (BlattBlog fragt sich schon, wie er das macht, wenn er sich jetzt selber den ganzen Abend aus der Hüfte filmt?) Für einen festerfahrenen Mann wie Herrn Meyer ist das sicher kein Problem, siehe auch unsere Berichterstattung in früheren BlattBlog Ausgaben. Über die Jahre hat er eigentlich immer eine bella figura gemacht, selbst in Sackgassen wie seinerzeit am Anfang seiner Kickerkarriere, für den Profisport hat es am Ende doch nicht ganz gereicht. Dafür hat er das mit dem Abtauchen dann professionalisiert, was früher in der Szene ja auch eher laienhaft gehandhabt wurde. Lieber Achim, ohne Dich wäre das Ganze nur halb so lustig gewesen, Du hast auch stets mit Deinem engagierten Einsatz für die Berliner Mundart dem platten süddeutschen Idiom in den Redaktionssitzungen paroli geboten und so immer einen Hauch Kreuzberg ins Lehel und nach Schwabing getragen, dafür danken wir Dir und wollens dann auch ordentlich krachen lassen in der Feuerwache - der Name sei Programm.

Filmverlag der Autoren - die Edition

April 16, 2009

Aufbruch in die deutsche Kinogeschichte - die fünfzig DVDs umfassende “Edition Filmverlag der Autoren”

Der Himmel war offen damals, die Blicke konnten weit greifen. Es war Sommer in der Stadt, und eine mysteriöse Vision schien insgeheim das lässig-absurde Treiben der Menschen zu bestimmen - Ein großer graublauer Vogel. So hieß der erste Spielfilm von Thomas Schamoni, der es als Filmemacher nie zur gleichen Bekanntheit gebracht hat wie seine Brüder Ulrich und Peter, aber sein “Vogel” aus dem Jahr 1970, so viel steht fest, ist eins der elementaren Stücke des Jungen Deutschen Kinos. Der Film macht Spaß und er berührt. Er hat Klaus Lemke und Marquard Bohm, Lukas Ammann und Robert Siodmak. Er hat ein starkes Gespür für Individualismus, aber ein nicht geringeres für Solidarität. Er kann alles, was Fassbinder kann und Rudolf Thome. Er hat ein Licht, das die Vergangenheit durchdringt und die Zukunft erleuchtet. In der Filmverlag der Autoren Edition, die bei Arthaus erschien, ist “Ein großer graublauer Vogel” nun erstmals auf DVD veröffentlicht.


Sylvie Winter und Klaus Lemke in Thomas Schamonis „Ein großer graublauer Vogel“

Von einer Kooperative und von Kooperation handelt die Geschichte des Filmverlags der Autoren, des Versuchs junger Filmemacher in München, die Produktion und den Verleih ihrer Filme selber zu bestimmen und zu organisieren. Eine Erfolgsgeschichte der Siebziger, die nach wenigen Jahren alle Anzeichen solcher Erfolgsgeschichten zeigte - Risse an der Oberfläche, übertünchte Schwachpunkte, Konstruktionsfehler. Thomas Schamoni ist einer der heimlichen Helden des Filmverlags - in seiner Wohnung wurde der Verein damals gegründet, als P1FDA - Produktion 1 im Filmverlag der Autoren, am 15. April 1971, drei Tage nach Ostern. Das Modell hatten die Schriftsteller geliefert, mit ihrem Verlag der Autoren. Schamoni galt als kreativ und organisatorisch versiert zugleich. Neben ihm und ebenso unsichtbar agierten Laurens Straub, Michael Fengler, Veith von Fürstenberg, Christian Friedel. Die Galionsfiguren im Scheinwerferlicht der großen Festivals aber gaben andere ab - Wenders und Herzog, Fassbinder und Schlöndorff. Ihre Filme sind bereits in diversen Autoren-Editionen zugänglich, sie schlagen die großen Schneisen auch durch diese Edition. Dazu gibt es eine kleine Chaussee durchs bajuwarische Hinterland - Ruth Drexel, die als Adele Spitzeder eine frühe Münchner Kreditblase auslöst im Film von Peer Raben, ein Western von Uwe Brandner, “Ich liebe dich, ich töte dich”, Michael Verhoevens regionale Vergangenheitsbewältigungen, die Filme von Percy Adlon, die nach Bayern zurückweisen, gerade wenn er sie mit Fernweh koloriert. Es gibt “Lina Braake”, einen der Mega-Erfolge des Filmverlags, und die drei engagierten Gemeinschaftswerke, von Kluge und Schlöndorff durchgezogen - neben dem omnipräsenten “Deutschland im Herbst” noch “Der Kandidat”, über das Schreckgespenst eines Bundeskanzlers Strauß, und “Krieg und Frieden”, über atomare Untergangsstimmungen . . . (more…)

attac kapert DIE ZEIT

March 23, 2009

attacs Falschausgabe der “Zeit” erregt deutschlandweit große Aufmerksamkeit. Heute liegt sie der Montagsausgabe der taz bei.

Sehenswert auch der gut gemachte Fake der Online-Ausgabe.

Mehrere 100 Attac-Mitglieder hatten die Zeitung am Samstag in insgesamt 90 Städten deutschen Städten verteilt. Auch eine Onlineausgabe im Zeit-Gewand hat Attac auf die Beine gestellt. Dadurch sorgten Sie bundesweit für großes Medienecho.

Neben diversen Onlinemagazinen hatte auch das ZDF über die Aktion berichtet. “Mit so einer großen und schnellen Resonanz haben wir nicht gerechnet”, sagt Fabian Scheidler von Attac. “Das hat uns sehr gefreut.” Der Ansturm auf die kopierte Zeit-Website war ebenfalls enorm. Die Webmaster von Attac registrierten bis zu 2.000 Klicks pro Minute, die Seite war zeitweilig nicht erreichbar.

Die Redaktion der echten Zeit erfuhr erst in der Nacht von Freitag auf Samstag von dem Plagiat. “Fälschungen können wir natürlich nicht gutheißen, vor allem nicht in dieser Qualität,” sagte Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo daraufhin am Samstag. Eine Klage schloss der Verlag jedoch aus.

Er staune über den Aufwand, das ginge richtig ins Geld, sagte Di Lorenzo. Darüber habe man bei Attac geschmunzelt, sagt Scheidler. “Der Großteil der Arbeit sei ehrenamtlich geleistet worden.” Die Kosten zur Produktion hätten bei 15.000 Euro gelegen, die zum großen Teil durch Spenden finanziert wurden.

Für Scheidler von Attac ist jetzt wichtig, dass die Nachrichten in der falschen Zeit wahr werden. Dafür würde Attac unter anderem am 28. März mit großen Demonstrationen in Berlin und Frankfurt zum G-20-Gipfel kämpfen.

Rocky Mountain News am Ende!

March 19, 2009

Ganz dicht machen mussten die Rocky Mountain News. Das ehemalige Personal der Zeitung wandte sich am Montag an seine Leser mit der Bitte, die Redaktion per Online-Abonnement zu unterstützen. Wenn man 50.000 Leser finde, die bereit seien, 4 Dollar 99 im Monat zu überweisen, würde man mit einer Website weitermachen.

In der taz ein Artikel über die veränderten Lesegewohnheiten - Internet schlägt Zeitung.
Eine aktuelle Studie belegt, dass sich im letzten Jahr mehr Amerikaner am Monitor als über bedrucktes Papier informiert haben.

Alles lesen in der taz

Der Genosse Meyer, er lebe hoch!

March 16, 2009

Herr Sontheimer macht Herrn Meyer eine Freude:

Zu erwähnen wäre auch, dass das Blatt, inbesondere der Genosse Achim, der auf einem der Fotos als Fussballer zu sehen ist, die Gründung der “tageszeitung” oder “taz” sehr rege unterstützte. Achim trat mit Christian Ströbele bei der ersten grossen Veranstaltung für die taz beim Tunix-Kongress in Westberlin auf, im Frühjahr 1978. Die taz war nicht zuletzt ein Projekt von Leuten, die in Alternativzeitungen erste Erfahrungen bei der Schaffung von Gegenöffentlichkeit gemacht hatten.

MICHAEL SONTHEIMER 14. März 2009, 20:33

Zu lesen in den Diskussionsbeiträgen zur Story Eins gegen alle bei einestages.de

Blatt - Stadtzeitung für München

March 14, 2009

Herr Hortmeyer hat immer noch keinen DSL-Anschluss, dafür hat er jetzt seine Story online stehen bei Spiegel Online. Unter einestages.de, dem Geschichtskanal von Spiegel Online ist jetzt ein Aufsatz eingestellt, den man mit einem lachenden und einem tränenden Auge lesen kann:

In Berlin waren gerade die ersten Veranstaltungsblätter erschienen, Stadtmagazine mit Kneipen-, Konzerttipps und Kleinanzeigen. Eine eigene Zeitung mit einem Veranstaltungskalender für München - “ich dachte mir, genau sowas fehlt!” Das Geschäftsmodell interessierte den Ex-Studenten dabei kaum. Sein Ideal war die “Warentauschgesellschaft”. Seine Überzeugung: Wer es schaffte, seine Lebenshaltungskosten niedrig zu halten, konnte locker vom Überfluss der Wohlstandsgesellschaft leben. Der “Erwerbsgedanke” spielte folglich auch für das Zeitungsprojekt keine Rolle. Das Startkapital - 5000 D-Mark - lieh sich Hortmeyer von seinem Vater. Die ersten Mitarbeiter der Zeitung, persönliche Freunde, arbeiteten ohne Honorar. Das “Blatt” sollte zu einer Plattform der undogmatischen Linken werden, ein Forum für alle, die gruppen- und parteigebundene Zeitungen ablehnten.

Doch die Praxis hatte ihre Tücken. Die ersten Redaktionssitzungen fanden in Hortmeyers Wohnung an der Knöbelstraße, Nähe Isartor, statt - und verliefen chaotisch. Das Projekt sprach sich rum, jeder wollte mitmachen, jeder wollte schreiben, nicht jeder konnte es. “Manche Leute musste man einfach rausschmeißen, das ging wirklich nicht”, erinnert sich Hortmeyer. Auch der damals 23-jährige Student Jürgen Ritter war von der neuen Zeitung begeistert: Endlich eine, “in der mal Betroffene zu Wort kommen”, ohne Regeln und ohne Chef. Ein Blatt, das für alle Ansätze und Gruppen offen war. In der Praxis rangen bald Schwule und Lesben, kommunistische Foren, Psycho- und Encountergruppen um den Platz in jeder Ausgabe. Alles “völlig anarchisch und super dilettantisch”. Trotz großer Sympathien für die Idee gab Ritter der Zeitung kein halbes Jahr. “Nach den ersten Ausgaben war’s für mich vorbei. Ich hatte kein Geld mehr und konnte meine Miete nicht bezahlen.”

Dauergast Staatsmacht

Der harte Kern hielt aus. Die Redaktion war in der Zwischenzeit in ein Ladenlokal an der Adelgundenstraße gezogen - und wuchs weiter. Ständig kamen neue Leute vorbei, eines Tages auch Anatol Gardner: “Ich wollte wohl nur eine Anzeige aufgeben, und dann bin gleich dageblieben.” Auch der Zeichner Gerhard Seyfried stieß zum “Blatt”.

Immer öfter kam auch die Polizei. Am 15. April 1976 zum Beispiel, um auf Beschluss des Amtsgerichts die 68. Ausgabe der Zeitung komplett zu beschlagnahmen. Der Grund war eine Zeichnung, auf der eine Person einen Gegenstand wirft - nach Ansicht des Richters einen Molotow-Cocktail. Knapp ein Jahr später durchsuchten Polizisten die Redaktion und beschlagnahmten ein Brokdorf-Plakat mit der Aufschrift “Deutsche Polizisten sind Terroristen”. Gegen die presserechtlich Verantwortlichen wurden im Laufe der Jahre mehrere Strafverfahren wegen Beleidigung, Verunglimpfung des Staates, öffentlicher Billigung von Straftaten, Aufforderung zu strafbaren Handlungen oder Anleitung zum Cannabis-Anbau eingeleitet.

Es war die Zeit der Hausbesetzungen, der zweiten RAF-Generation, der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer. In der angespannten politischen Situation und wegen offener Sympathiebekundungen für Straftaten aus der linken Szene standen die Redakteure des “Blatts” unter ständiger Beobachtung. Ein Münchner Justizbeamter soll ausschließlich mit der Suche nach verdächtigen Äußerungen in der vierzehntäglichen Publikation, einschließlich ihres Kleinanzeigenteils, beschäftigt gewesen sein.

Günstige Mitfahrgelegenheit München-Poona-Goa

Die hochpolitische Zeit spiegelte sich auch im Kleinanzeigenteil wider. Dort inserierte Mitte der siebziger Jahre die “KKW-Nein-Gruppe”, die “Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft”, die “Gruppe internationaler Marxisten”, die “Sozialistische Frauenorganisation München”, das “Komitee für den Volksentscheid gegen den § 218″ oder die Selbstorganisation Zivildienstleistender (ZDL) - nicht ohne Selbstironie. Das las sich dann so: “Nachdem in letzter Zeit am ZDL-Stammtisch nur noch zwei der Gründer sitzen, würden wir gern wissen, ob auch von anderer Seite noch Interesse am Stammtisch besteht. Wir zwei können uns nämlich bei uns zuhause gemütlicher treffen.”

Der Kleinanzeigenteil spiegelte auch die alternativen Lebensentwürfe: Träume, Fantasien und Frust zwischen Gruppentherapie, Wohngemeinschaft und vergesellschaftetem Liebesleben. Etwa in dem Angebot: “Günstige Mitfahrgelegenheit München-Poona-Goa. Vollwertige vegetarische Verpflegung und Übernachtung inbegriffen”, oder unter Gesuchen: “Wer schenkt mir zum Geburtstag einen Plattenspieler oder ähnliches? Für die ganz Geldgierigen darf er auch ein ganz klein wenig kosten.” Und in Hilferufen: “Letzten Sommer (vor ca. vier Monaten also) waren die Magret, der Kilian und noch’n paar Leute mit meinem Schlafsack im Süden. Da ich ihn vermisse, und er mich wahrscheinlich auch, hätt ich ihn gern zurück. (…)”

Und er spiegelte die Folgen der unkonventionellen Lebensplanung: “Linker Schüler (erst 16, aber trotzdem ziemlich gefrustet) sucht Freundin für freie Kommunikation und politische Praxis.” Oder auch: “Frau mit Kind sucht Halbtagsjob im Kindergarten oder ähnliches. Wichtig: Ich müsste das Kind mitnehmen können. (All diesen Arschlöchern, die meinen, dies wäre eine versteckte Kontaktanzeige, sei hiermit gesagt, dem ist nicht so, sie brauchen also gar nicht anzurufen.)”

Alles lesen bei einestages

Der Anlage Tipp des Monats

February 19, 2009

Aus aktuellem Anlass, der Anlage Tipp des Monats:

Wer vor 18 Monaten 1.158,48 Euro in die Aktien der Commerzbank investiert hat, musste sich 18 Monate lang über fallende Kurse ärgern und hat heute noch 215,28 Euro übrig.

Wer vor 18 Monaten 1.158,48 Euro in Krombacher Pils investiert hat
konnte:

- 18 Monate lang jede Woche einen Kasten herrliches Pils genießen

- war ständig heiter
- hatte viel Spaß
- hat den Regenwald gerettet
- und hat heute noch …

(Achtung, jetzt kommt’s) … Leergut im Wert von 223,20 Euro !!!

Wir danken dem Jack (via Tina) für diesen Beitrag.

Der Crashtest-Dummy

February 13, 2009

Jan Feddersen in der taz über Alpha-Blogger Stefan Niggemeier

Wichtig sei ihm aber die Korrektheit, also das Mindeste, worauf es im journalistischen Handwerk ankomme. “Die Bild-Zeitung”, sagt er, “wurde doch eine Zeit lang abgetan”, als Phänomen, als nicht ernst zu nehmende Illustrierte für Erwachsene, als Trash mit hohem Amüsierfaktor, als Spiegel des Irren und Absonderlichen, galt aber zugleich auch als Nachrichtenmedium von Rang. “Mir ging es darum, diesen Mythos wenigstens anzukratzen.” Dass man nicht mehr sagen könne, die Bild-Zeitung zu lesen zeuge vielleicht von schlechtem Geschmack, dafür könne man sich aber auf die Recherchen verlassen. “Stimmt aber nicht. Deshalb bescheiden wir uns mit den scheinbaren Details: nachzuweisen, dass gerade das nicht zutrifft.”

Inzwischen wird das Bildblog selbst von den Springer-Leuten ernst genommen. “Die reagieren auf uns mit einer gewissen Professionalität.” Aber dann hängt er eine Begebenheit an, die die Nervosität der Goliaths andeutet: “Als bei einer Diskussion im ZDF, als ich einen kleinen Vortrag hielt, der Mann von Springer den Saal verließ, als ich zu sprechen anfing, hatte ich das Gefühl: ,Irgendwas machen wir richtig.’ ”

Doch Niggemeiers Argusaugen konzentrieren sich längst nicht nur auf die publizistische Macht der Bild-Zeitung, die menschliche Existenzen zermörsern oder politische Stimmungen befördern kann. Selbst Henryk M. Broder, preisgekrönter Autor des Spiegels, ist vor Niggemeiers Kritik nicht sicher: “Da wichst zusammen, was zusammengehört”, äußerte sich Broder unwirsch, fühlte sich von Niggemeier offenbar persönlich getroffen. Gemünzt war dies auf eine Geschichte, in der nachgewiesen wurde, dass Broders Kampf gegen Antisemitismus, gegen vermeintliche oder wahre Israelfeinde sich aus Quellen bedient, die anrüchig sind, weil sie den Tatsachen nicht standhalten. Niggemeier wies lediglich nach, dass Broders Recherchen nicht stimmen - und der Inkriminierte glaubte, Niggemeier als Krümelsucher abtun zu können. Der Gescholtene wehrt sich: Großschreiber wie Broder meinten, dass man ihnen schon glauben wird, dass ihre Botschaft nicht unbelegt sein könne - “deshalb legen wir auch beim Bildblog vor allem Wert auf die Korrektur gerade der kleinen und oft auch großen Fehler”.

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