30 Jahre KingKong Kunstkabinett

February 27, 2007

9. März bis 6. Mai 2007
King Kong Kunstkabinett - Die ersten 30 Jahre
Malerei und Film im Kallmann Museum Ismaning

Die Münchner Künstlergruppe King Kong Kunstkabinett wurde 1977 von den drei Künstlern Walter Amann, geb. 1942, Wolfgang Schikora, geb. 1945 und Ulrich Zierold, geb. 1946 ins Leben gerufen. Im Jahr 2007 begeht sie ihr 30jähriges Jubiläum mit einer Rückschau auf ihr Kunstschaffen in Malerei und Film.

Künstlergemeinschaften sind meist flüchtige Zusammenschlüsse junger Künstler, die im Moment des Einzelerfolgs eines Mitglieds auseinanderbrechen. Nicht so das King Kong Kunstkabinett, das über 30 Jahre hinweg ohne Bruch und in gleicher Konstellation kreativ tätig ist.

Die drei Maler arbeiten kollektiv und gleichberechtigt. Jedes Werk entsteht als „work in progress“, jeder reagiert auf das, was der andere einbringt, treibt es weiter oder korrigiert. Wie bei der Improvisation im Jazz entsteht aus drei künstlerischen Sichtweisen ein vierter Weg, der die unverwechselbare Handschrift der Gruppe ausmacht. Natürlich ist durch das ständige Überarbeiten der Ausgang jedes neubegonnenen Werks ungewiss und gilt als Experiment. Mit dieser ungewöhnlichen Arbeitsweise und ihrem figurativen Stil ist die Künstlergruppe bundesweit und international bekannt geworden.

Die oft großformatigen und farbigen Gemälde stecken voller Ironie und Witz. In verzerrten Perspektiven und gekippten Ebenen thematisieren sie die Absurdität des Alltags. Dargestellt sind unterschiedliche Menschen, die in durchaus normalen Situationen – beim Skifahren, im Fernsehstudio, auf einer Vernissage – entlarvend anormal agieren. Ihr Verhalten wird durch die ins Bild gemalten, oft polemischen Titel kommentiert. Der kritisch-humorvolle Blick auf unsere Gesellschaft und das politische Tagesgeschehen ist nicht nur in der Malerei des Kunstkabinetts Programm. Er steht auch in ihren Kunstfilmen, die im Montagestil mit ganz geringen Mitteln gedreht werden, im Vordergrund.

Entmenschte Mutter röstet taubes Kind, die zwote

February 23, 2007

Das war also durchaus noch zu toppen, Herr Seyfried. Passiert in München am Rosenmontag in zahlreichen Bild-Zeitungskästen. BlattBlog verweist auf seine stadtbekannte Bildnähe und gratuliert.

update: die Gruppe PO.DEL.KO. outet sich in jetzt.de

Eulenspiegel schnappt sich Rotbuch

Rotbuch Verlag wurde von der Eulenspiegel Verlagsgruppe in Berlin übernommen. Der Rotbuch Verlag solle nach der Trennung von der Europäischen Verlagsanstalt (EVA) „nun wieder eigene Wege beschreiten“, teilte Eulenspiegel am Mittwoch mit. Die Übernahme sei rückwirkend zum 1. Februar erfolgt. Eulenspiegel übernimmt Marketing, Vertrieb und Herstellung.

Der Rotbuch Verlag wurde 1973 in Berlin als Abspaltung von einigen Mitarbeitern des Verlags Klaus Wagenbach gegründet. Auch das Kursbuch, herausgegeben von Hans Magnus Enzensberger, erschien zunächst hier weiter. Seit 1994 gehörte Rotbuch zur Europäischen Verlagsanstalt (EVA). Zu den Rotbuch-Autoren gehörten bisher Herta Müller, Richard Wagner, Libuse Monikova, Aras Ören, Thomas Brasch, F.C. Delius, Heiner Müller, Yaak Karsunke, Peter Paul Zahl, Peter O. Chotjewitz und Gerhard Seyfried.

Alles lesen im Handelsblatt.

Update: Schon fängts an zu Schneidern: Rotbuch-Autoren rebellieren gegen Verlagsverkauf.

Yes I Am!

February 16, 2007

Als Flame sechzehn war, zog er zu Hause aus und ging ins Heim, wo er das Gangsta-Handwerk erlernte.

Als Mamadee zehn war, brach die DDR zusammen und damit auch ihr Traum vom roten Halstuch der Thälmann-Pioniere.

Als Adé fünfzehn war, wurde sein Vater umgebracht, und er kam aus Nigeria nach Leverkusen.

Verbunden mit der Geschichte von Brother’s Keepers und den faszinierenden Auftritten des Bandprojekts gibt Sven Halfar mit seinem Film Yes, I am! einen außergewöhnlichen und bewegenden Einblick in drei Biographien, die stellvertretend für die Schwierigkeiten aller Ausländer oder auch nur fremd Aussehenden in Deutschland stehen. Der Film sollte ebenso Pflichtprogramm an deutschen Schulen werden wie die Besuche der Brother’s Keepers. Doch das bleibt wahrscheinlich nur ein frommer Wunsch. (Joachim Kurz in Kino-zeit.de)

Beim Klick aufs Plakat gibts mehr Material zum neuen Film von filmtank.

Rooftop Concert

February 9, 2007

Die Einigung zwischen den beiden Apples geht dem BlattBlog lauwarm am Arsch vorbei, wir nutzen den Anlass jedoch, um auf das phänomenale Rooftop Concert hinzuweisen, das exakt am 30. Januar 1969 auf dem Dach des Apple Studios in London stattfand.

Und bedanken uns bei it&w fürs historische Händchen. Das erste Video gibt’s beim Klick aufs Bild, die beiden anderen hier und dort. Dieser Beitrag gehört mit Fug und Recht in die Abteilung Historisierendes Gegengooglen.

Über die Gnade

February 1, 2007

“Die keine Schuld tilgt, nicht erworben werden kann, sondern unverdient gewährt wird.” So hat mein Vater, der Publizist Günter Gaus, einmal den Begriff der Gnade definiert. Das Thema hat in seinem Leben mehrfach eine wichtige Rolle gespielt. Zum letzten Mal, als er Christian Klar ermutigte, ein Gnadengesuch an den damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau zu richten.

Er hatte Klar kennengelernt, als er im Dezember 2001 das bislang einzige Fernsehinterview mit dem ehemaligen RAF-Terroristen führte. Angespannt wirkte der damals 49-Jährige auf ihn, der zu diesem Zeitpunkt seit 19 Jahren inhaftiert war. Die erkennbare Mühe, die es dem Häftling bereitete, sich zu konzentrieren, hat meinen Vater tief verstört.

Bettina Gaus in der taz vom 31.1.2007, S. 5