Das Pali-Tuch

October 5, 2007

Wenn man sich fragt, womit dieser vielfache Einsatz des Palästinensertuchs und seine neue Beliebtheit vor allem im Modedesign zu tun haben, dann könnte man vielleicht sagen, dass es unter den berühmt gewordenen Kleidungsstücken mit politischem Ursprung das einzige ist, das auf ein Muster reduzierbar ist. Alle ähnlichen Accessoires, wie die Kappe Castros, der rote Stern, die Mao-Jacke, sind in ihrer Variationsfähigkeit beschränkt. Das Palästinensertuch dagegen ist, unabhängig von seiner konkreten Funktion, zu einem weltberühmten Markenzeichen geworden, eine Art provokatives Burberry-Karo. Deshalb taucht es allein in diesem Jahr nicht nur als das altbekannte schlichte Tuch auf, sondern auch als perlenbestickter Schal, als Kleid oder Reisetasche.

Eine besonders interessante Abwandlung hat sich anlässlich des Münchner Oktoberfestes ergeben. Die Traditionsgeschäfte der Stadt führen gerade Dirndl-Schürzen im Palästinensertuch-Look. Der lange Weg, den das Muster zurückgelegt hat, wird hier besonders anschaulich. Aus dem politischen Zeichen ist ein Bestandteil bayerischer Folklore geworden, ein Element des Crossovers von Trachten.

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