Der Tiger von Kreuzberg ist groß. Man kennt ihn auch in Hamburg und München. Auch wenn er selbst niemals da war. Das ist so wie bei Jean Claude van Damme, der war auch noch nie in Kreuzberg, aber jeder hier kennt seinen Namen.
Tiger aka Cemal Atakan ist sechsundzwanzig und sieht super aus, “süper”, wie man hier sagt. Jedenfalls: weiße Nike-Airmax, Jogginghose, Kapuzenpullover, Mütze. Die Turnschuhe zum Wegrennen vor den Kontrolleuren, die Jogginghose, weil sie weit ist und genug Raum gibt, um im Bedarfsfall mit den Füßen zu kämpfen, die Mütze, weil “Mit Mütze bist du unsichtbar”, und “Herr Polisai” kann dich nicht finden. Seine Tage verbringt Tiger in Tigerland, Berlin-Kreuzberg. Der Gegend, die früher 36 hieß.
Wer ihn sieht, meint vielleicht, er stehe hier nur so herum und tue nichts. In Wirklichkeit ist er auf Arbeit. Kontrolliert die Gegend, guckt hierhin und dorthin. Tiger sieht alles; schaut er nach vorn, weiß er, was in seinem Rücken geschieht, schaut er auf den Boden, sieht er auch den Polizeihubschrauber, der über ihm kreist. Tiger ist der Manager der Straße. Gibt Mädchen- und Abziehtipps oder wie man zum guten Opfer wird - Abziehen ist ja Teamwork -, erklärt den Kreuzberg-Style, spricht über Knast und Hartz IV und wie man gucken oder besser nicht gucken sollte. Oft wird Tiger auch zum Schlichten gerufen, wenns Stress gibt. Er hat ein gutes Herz, aber man sollte ihn nicht reizen, denn Tiger ist hart und gut im Boxen.
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