Der Schatten der Bewegung

August 19, 2008

Volker Schlöndorff hat begonnen, seine Erinnerungen zu schreiben, als er, zum ersten Mal in seiner Karriere, rausgeflogen ist - man hat ihm sein Projekt “Die Päpstin” entzogen. Es hätte leicht ein bitteres Buch werden können, darüber, wie ihn das Kino, das Geschäft drumherum, ausgelaugt haben. Aber dazu ist Schlöndorff mit dem ganzen Geschehen wohl viel zu sehr im Reinen.

Mit Absicht kann man die Sechziger als Sehnsuchtsort, wo dauernd überall etwas passiert, vielleicht gar nicht so beschreiben, wie Schlöndorff es tut. Manches war eben machbarer, überschaubarer. Als Schlöndorff 1967 “Mord und Totschlag” drehte, mit der Rolling-Stones-Gemeinschaftsgeliebten Anita Pallenberg, versteckte er sie und Brian Jones in seinem Appartement in der Schwabinger Tengstraße, und als Jones als Filmmusik-Komponist versagte, tauchte Keith Richards auf und half aus. So was kann heute nicht mehr passieren, dafür würde ein Stab von Agenten, PR-Beratern und Assistenten schon sorgen. Aber Schlöndorff war halt auch einer, der überall dabei war, wo gerade etwas los war, von der Nouvelle Vague über den Algerienkrieg bis zur Beerdigung von Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Jan-Carl Raspe.


Volker Schlöndorff und Jeanne Moreau bei den Dreharbeiten zu Viva Maria von Louis Malle, 1965

“Licht, Schatten und Bewegung - Mein Leben und meine Filme” ist voll von solchen Geschichten, und Schlöndorff, der ewige Zeuge, hat dafür nicht nur sein Leben und Werk geplündert - er nimmt alles mit, was am Wegesrand zu finden ist.

Alles Lesen bei Susan Vahabzadeh in der SZ

Update: Lesung mit Volker Schlöndorff im Literaturhaus München am 6. Oktober, 20 Uhr

Update 2: Interview “Ich hatte zuviel Material” von Josef Schnelle bei artechock vom 09.10.2008