Have You Ever Been To Electric Ladyland?

October 27, 2008

An diesem Wochenende vor ziemlich genau 40 Jahren erschien in England Electric Ladyland.

Hendrix-Musik hören, sagen Sie, führe zu Körperveränderung, etwas wandere aus dem Körper aus und treffe sich mit Hendrix musikalischen “Space-ships”. Aber nur bekifft?

Verschiedene Psychoanalytiker haben von etwas Drittem im Raum gesprochen, einem dritten Subjekt oder einem tragenden Medium, in dem sich die Körper von Analytiker und Analysand treffen. Wir nennen das den dritten Körper oder das Schwingungsobjekt und behaupten, dass dieser Vorgang sich bei jeder intensiven Berührung von Körpern mit Kunstprodukten abspielt oder abspielen kann. Bekifftsein ist nicht die Voraussetzung; bei Hendrix-Musik aber eine bestimmte Lautstärke. Sonst kommt das nicht.

Hendrix arbeitete Ihrer Analyse nach an der “physisch-elektrischen Erlösung ins Jenseits des eigenen Körpers”. Das war Ende der aufgewühlten 60er. Wie relevant ist das heute noch?

So relevant wie je. Noch haben die Leute Körper, nicht eine Matrix. Diese Körper wollen ein Jenseits von sich. Nicht ein Drüben, sondern diesseitige Verwandlung. Das nennt man Leben.

Hendrix, der Lyriker, hatte es konsequenterweise mit Engeln, Gestirnen, Reisen durchs Weltall. Sind das Texte, die nur unter Drogen entstehen können?

Drogen auch; ab Ende 1966 gibt es so gut wie kein Konzert mehr ohne LSD. Aber ein Musiker wie Sun Ra mit seinem Solar Myth Arkestra und der Behauptung: “I’m from Saturn” gelangte auch dahin, ohne große LSD-Dosen. Es ist die Selbstwahrnehmung dieser Musiker, nicht einfach Teil der Black Community zu sein wie die Blues- und Soulsänger.

Und auch nicht Teil des weißen Popmarkts?

Nein. Hendrix entsprechendes “I’m from Mars” legt die Basis des eigenen Sounds in den “Weltraum”, ähnlich der “Sphärenharmonie” der frühen europäischen Musiktheoretiker. Bloß wollten die “Gottes Harmonien” gehört haben in Davids Sphärenharfe, so ähnlich auch noch Mahler zu seiner dritten Symphonie; während es Sun Ra oder Hendrix um das Außerordentliche, um das noch nie Gehörte der extraterrestrischen Klänge geht. Dieses schließt vor allem den Schrei ein und entfesselte Rhythmen, das Transgressive in der Musik. In den Texten affektive Vermischungszustände: Neue Körper “from out there”.

Das komplette Interview mit Klaus Theweleit & Rainer Höltschl über ihre soeben erschienene Hendrix Biografie.

An diesem Wochenende vor ziemlich genau 3 Jahren gabs das erste BlattBlog. Damals noch mit Google-Anzeigen, die sind mittlerweile längst verschwunden. Das Ding läuft holper- und werbefrei auf einem kostenlosen Server in Dublin (BlattBlog grüßt alle Iren!) und freute sich letzte Woche über seinen dreizehntausendsten Leser.

Dreamin’ of you

October 22, 2008


Harry Dean Stanton wirbt für Tell Tale Signs: The Bootleg Series Vol. 8

Update: Die Spitze des Eisbergs Dylan in der taz von heute.

30 Jahre taz

October 20, 2008

Daniel Cohn-Bendit ärgert sich täglich über die taz. Und wenn einmal nicht, ärgert sich der Europaabgeordnete der Grünen darüber, dass nichts in der taz steht, worüber er sich ärgern kann. “Sadomasochismus” sei das, sagte der Gastredner auf der Feier zum 30. Geburtstag der taz am Freitagabend im Frankfurter Ökohaus. Doch nach nur einer Woche ohne taz, sinnierte der “Alt-68er” laut weiter, “würde man vielleicht die Welt überhaupt nicht mehr verstehen”.

Beifall und lautes Kichern im längst erheiterten, gut gestylten Publikum, das von der Generation 50 plus links in Kohortenstärke dominiert wurde. Auch 60 plus links war an diesem Abend gut vertreten und drauf. taz-Meinungs- und Musikredakteur Daniel “DJ” Bax sorgte bis spät in die Nacht hinein für das weitere Entertainment des dann schon merklich ausgedünnten Auditoriums. Viele von den älteren Herrschaften mussten halt zuvor schon ins Bett.

Alles Lesen in der taz

Update:
dieses einzige mal zeige ich verständnis für den genossen daniel
cohndingsda:
hab ich doch schon vor vielen, vielen Sommern das Verslein gedichtet:

Eh der Morgen graut
Eh das Frührot taut
hat die taz uns schon den Tag versaut.

sempre diritto, G.

L’Eclisse - Traders

October 14, 2008

… der Film zum Film, der grade läuft:

L’Eclisse (1962) Starring: Alain Delon, Monica Vitti, Francisco Rabal. Director: Michelangelo Antonioni

Adé, Günther Beckstein.

October 2, 2008

Die taz hat - fast schon liebevoll - eins der besten Bilder dieser Tage ausgesucht: