Der Crashtest-Dummy
February 13, 2009Jan Feddersen in der taz über Alpha-Blogger Stefan Niggemeier
Wichtig sei ihm aber die Korrektheit, also das Mindeste, worauf es im journalistischen Handwerk ankomme. “Die Bild-Zeitung”, sagt er, “wurde doch eine Zeit lang abgetan”, als Phänomen, als nicht ernst zu nehmende Illustrierte für Erwachsene, als Trash mit hohem Amüsierfaktor, als Spiegel des Irren und Absonderlichen, galt aber zugleich auch als Nachrichtenmedium von Rang. “Mir ging es darum, diesen Mythos wenigstens anzukratzen.” Dass man nicht mehr sagen könne, die Bild-Zeitung zu lesen zeuge vielleicht von schlechtem Geschmack, dafür könne man sich aber auf die Recherchen verlassen. “Stimmt aber nicht. Deshalb bescheiden wir uns mit den scheinbaren Details: nachzuweisen, dass gerade das nicht zutrifft.”
Inzwischen wird das Bildblog selbst von den Springer-Leuten ernst genommen. “Die reagieren auf uns mit einer gewissen Professionalität.” Aber dann hängt er eine Begebenheit an, die die Nervosität der Goliaths andeutet: “Als bei einer Diskussion im ZDF, als ich einen kleinen Vortrag hielt, der Mann von Springer den Saal verließ, als ich zu sprechen anfing, hatte ich das Gefühl: ,Irgendwas machen wir richtig.’ ”
Doch Niggemeiers Argusaugen konzentrieren sich längst nicht nur auf die publizistische Macht der Bild-Zeitung, die menschliche Existenzen zermörsern oder politische Stimmungen befördern kann. Selbst Henryk M. Broder, preisgekrönter Autor des Spiegels, ist vor Niggemeiers Kritik nicht sicher: “Da wichst zusammen, was zusammengehört”, äußerte sich Broder unwirsch, fühlte sich von Niggemeier offenbar persönlich getroffen. Gemünzt war dies auf eine Geschichte, in der nachgewiesen wurde, dass Broders Kampf gegen Antisemitismus, gegen vermeintliche oder wahre Israelfeinde sich aus Quellen bedient, die anrüchig sind, weil sie den Tatsachen nicht standhalten. Niggemeier wies lediglich nach, dass Broders Recherchen nicht stimmen - und der Inkriminierte glaubte, Niggemeier als Krümelsucher abtun zu können. Der Gescholtene wehrt sich: Großschreiber wie Broder meinten, dass man ihnen schon glauben wird, dass ihre Botschaft nicht unbelegt sein könne - “deshalb legen wir auch beim Bildblog vor allem Wert auf die Korrektur gerade der kleinen und oft auch großen Fehler”.
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