Filmverlag der Autoren - die Edition
April 16, 2009Aufbruch in die deutsche Kinogeschichte - die fünfzig DVDs umfassende “Edition Filmverlag der Autoren”
Der Himmel war offen damals, die Blicke konnten weit greifen. Es war Sommer in der Stadt, und eine mysteriöse Vision schien insgeheim das lässig-absurde Treiben der Menschen zu bestimmen - Ein großer graublauer Vogel. So hieß der erste Spielfilm von Thomas Schamoni, der es als Filmemacher nie zur gleichen Bekanntheit gebracht hat wie seine Brüder Ulrich und Peter, aber sein “Vogel” aus dem Jahr 1970, so viel steht fest, ist eins der elementaren Stücke des Jungen Deutschen Kinos. Der Film macht Spaß und er berührt. Er hat Klaus Lemke und Marquard Bohm, Lukas Ammann und Robert Siodmak. Er hat ein starkes Gespür für Individualismus, aber ein nicht geringeres für Solidarität. Er kann alles, was Fassbinder kann und Rudolf Thome. Er hat ein Licht, das die Vergangenheit durchdringt und die Zukunft erleuchtet. In der Filmverlag der Autoren Edition, die bei Arthaus erschien, ist “Ein großer graublauer Vogel” nun erstmals auf DVD veröffentlicht.
Sylvie Winter und Klaus Lemke in Thomas Schamonis „Ein großer graublauer Vogel“Von einer Kooperative und von Kooperation handelt die Geschichte des Filmverlags der Autoren, des Versuchs junger Filmemacher in München, die Produktion und den Verleih ihrer Filme selber zu bestimmen und zu organisieren. Eine Erfolgsgeschichte der Siebziger, die nach wenigen Jahren alle Anzeichen solcher Erfolgsgeschichten zeigte - Risse an der Oberfläche, übertünchte Schwachpunkte, Konstruktionsfehler. Thomas Schamoni ist einer der heimlichen Helden des Filmverlags - in seiner Wohnung wurde der Verein damals gegründet, als P1FDA - Produktion 1 im Filmverlag der Autoren, am 15. April 1971, drei Tage nach Ostern. Das Modell hatten die Schriftsteller geliefert, mit ihrem Verlag der Autoren. Schamoni galt als kreativ und organisatorisch versiert zugleich. Neben ihm und ebenso unsichtbar agierten Laurens Straub, Michael Fengler, Veith von Fürstenberg, Christian Friedel. Die Galionsfiguren im Scheinwerferlicht der großen Festivals aber gaben andere ab - Wenders und Herzog, Fassbinder und Schlöndorff. Ihre Filme sind bereits in diversen Autoren-Editionen zugänglich, sie schlagen die großen Schneisen auch durch diese Edition. Dazu gibt es eine kleine Chaussee durchs bajuwarische Hinterland - Ruth Drexel, die als Adele Spitzeder eine frühe Münchner Kreditblase auslöst im Film von Peer Raben, ein Western von Uwe Brandner, “Ich liebe dich, ich töte dich”, Michael Verhoevens regionale Vergangenheitsbewältigungen, die Filme von Percy Adlon, die nach Bayern zurückweisen, gerade wenn er sie mit Fernweh koloriert. Es gibt “Lina Braake”, einen der Mega-Erfolge des Filmverlags, und die drei engagierten Gemeinschaftswerke, von Kluge und Schlöndorff durchgezogen - neben dem omnipräsenten “Deutschland im Herbst” noch “Der Kandidat”, über das Schreckgespenst eines Bundeskanzlers Strauß, und “Krieg und Frieden”, über atomare Untergangsstimmungen . . . (more…)



