Horrorshow Schwarz-Gelb

September 28, 2009

Deutschlands Weg zur Revolution

November 1, 2008

Was einem zur Finanzkrise so alles einfallen kann:

Der Umsturz vollzieht sich mit der paradoxen Anmut beinah zufälliger Zwangsläufigkeit.

Es beginnt mit Krawallen in Lübeck: Hafenarbeiter randalieren in den Einkaufspassagen, um ihren Unmut über den geplanten Verkauf größerer Anteile der städtischen Hafengesellschaft an eine Tochter der Deutschen Bank auszudrücken. Sie besetzen den Bürgerschaftssaal und verabreden mit Kollegen in Kiel und Rostock Streiks, die mit keiner Gewerkschaftsbürokratie abgesprochen sind, aber für mehrere bereits aus Finanzmarktkrisengründen angeschlagene Handelskonzerne zu ernsten Verdienstausfällen und Vertrauenserschütterungen führen, die einen Dominoeffekt auslösen, der zahlreiche Aktienkurse im Lebensmittelbereich in die Tiefe reißt. Von ihrem Erfolg berauscht, reisen die Lübecker nach Frankfurt und schicken Abordnungen vor das Gebäude der Deutschen Bank sowie in den Starbucks an der Börse. Broker, Analysten und andere Versager werden vor ihren Handelstempeln angepöbelt, ausgelacht und gedemütigt; das Fernsehen steigt begeistert ein. Die Börsianer machen immer peinlichere Fehler, ihre Psychologie ist zerrüttet. Müntefering warnt vor »Übermut, liebe Lübecker Kollegen«, Steinbrück vor »Kindereien«.

Unter ungeklärten Umständen scheitert die Hochzeit von Porsche und VW, das heißt, sie wird in letzter Minute halbherzig rückgängig gemacht, durchlöchert oder sonst irgendetwas, das nur noch sehr wenige Wirtschaftsprofessoren verstehen, aber nicht erklären können. Bei Opel in Bochum kommt es zu ersten Sabotageakten, zum großen Ärger von Konzernleitung und Werkschutz als Dummheit und Ungeschicklichkeit getarnt.

Die während des weltweiten Krieges gegen den Terror auch in Deutschland durchgesetzten neuen Vollmachten der Exekutive kehren sich unerwarteterweise gegen die Bundesregierung: Jungsozialistische Verschwörer haben in Erfahrung gebracht, dass der Verfassungsschutz die heikleren seiner Aufstandsbekämpfungsmaßnahmen zu vertuschen und Unterlagen darüber zu vernichten sucht. Über undurchsichtige Erpressungen gegen leitende Beamte des Innenministeriums erwirken die Verschwörer auf der Grundlage der neuen Antiterrorleitlinien einen Marschbefehl für die Bundeswehr, die seit ihrer Afghanistan-Ernüchterung zunehmend nach links gedriftet ist. Das Heer besetzt die Gebäude des Verfassungsschutzes, nimmt die verdächtigen Personen fest und stellt die Dokumente sicher. Diese werden durch ein unidentifizierbares Leck dem Spiegel zugespielt. Nach der Veröffentlichung distanzieren sich erste Sprecher der Polizeigewerkschaft von »diesem Schnüffelstaat«. Müntefering warnt vor allem Möglichen, »welches hier und heute aufzuzählen mir Platz und Kraft fehlen« (Müntefering).

Gerhard Schröder wird beim Versuch, mit brisanten Unterlagen nach Russland auszubüxen, von zwei auf Heimaturlaub befindlichen Grundwehrdienstleistenden auf einem niedersächsischen Kleinstflughafen gestellt. Der neue Chef des Verfassungsschutzes, ein linker SPD-Mann aus Mecklenburg-Vorpommern, wittert seine Chance und zwingt den Exkanzler mit dubiosen Methoden zu ungeheuerlichen Enthüllungen über die rot-grüne Wirtschafts-, Innen- und Außenpolitik. Müntefering weint vor Publikum bei Anne Will.

Griffiger Popmarxismus in der ZEIT. Wer hätte das gedacht - alles lesen bei Dietmar Dath. Mehr über den Autor hier.

obamaseibeiuns

July 23, 2008

Unseren Mann in Berlin juckt’s wieder zunehmend und zeitkritisch im Griffel:

BlattBlog sieht das mit Freude - im Adlon wern schon mal die Gläser poliert, damit dann hernach auch ordentlich was zum Werfen dasteht.

G. Dicht

March 19, 2007

LEKTORAT

Ein Autor schiebt mit frohem Sinn
Dem Lektor sein Geschreibsel hin.
Es geht darin um die Moral
In einem Alpenseitental.

Zwei Bürgermeister-Kandidaten
Sind dort in einen Streit geraten.
Der eine arm, der andre reich,
Ansonsten sind sie eher gleich.

Der eine ist der Schuldirektor,
Ein guter Mann in seinem Sektor.
Gemüsehändler ist der zweite,
Zwar brav, jedoch so gut wie pleite.

Kein schlechter Plot, freut sich der Lektor,
Erinnert mich an Zeus und Hektor!
Nur fehlt der Held in der Geschichte,
Und eine hübsche junge Nichte.

In dem Kapitel mit den Gurken
Vermisse ich den bösen Schurken,
Der des Gemüsehändlers Weib
Verführt, und seis zum Zeitvertreib!

Ich glaube, wirft der Autor ein,
Dergleichen wird nicht nötig sein.
Ein Lustmolch oder Bösewicht
Paßt zu des Händlers Gattin nicht.

Tja, sagt der Lektor, das ist schade,
Denn so bleibt die Geschichte fade.
Doch halt - er runzelt seine Stirne:
Wie wärs mit einer feilen Dirne?

Könnte nicht ein solches Luder
Des Schuldirektors armen Bruder
In unsagbares Elend stürzen
Und solcherart die Story würzen?

Nein, ruft der Autor, denn der hat ja
Schon seine heißgeliebte Nadja!
Niemals würd er sie verraten
Für einen solchen Satansbraten!

Na gut, seufzt resigniert der Lektor,
Dann bleibt als Schurke nur der Rektor:
Der Mann erliegt mit allen Sinnen
Den Reizen seiner Schülerinnen!

Nein, nein, der Autor widerspricht:
Das Pädophile liegt mir nicht.
Der Rektor ist ein braver Mann
Der Schlechtes nicht mal denken kann!

Ach ja? Und was ist mit der Tochter?
Sie schreiben hier, die unterjocht er!
Dem Autor wird die Stimme schrill:
Doch nur, weil er ihr Bestes will!

Jetzt kriegt der Lektor Oberwasser:
Der Rektor ist ein Weiberhasser!
Sein Weib ist zänkisch und gemein,
Und Zwietracht herrscht im trauten Heim!

Mag sein, es ist bei Ihnen so,
Entgegnet der Autorio,
Ich bin kein Groschenromancier,
Mir liegt das saubere Metier.

Des Lektors Stirne färbt sich bläulich:
Ein Moralist! Gott, wie abscheulich!
Ihr Text ist graue Langeweile
Und ihre Welt zum Kotzen heile!

Und Sie? Ein Lektor wolln Sie sein,
Fängt der Autor an zu schrein,
Ich sage Ihnen, was Sie sind:
Ein blödes Lektoraten-Rind!

Er geht dem Lektor an den Kragen
Der tritt ihn dafür in den Magen,
Und schon sind beide, eins, zwei, drei
In der schönsten Keilerei.

Sie prügeln sich, der Tisch, der kippt.
Der Wind entdeckt das Manuskript,
Und bläst es mit Besessenheit
Hinweg in die Vergessenheit.

Für dieses richtig lange G. Dicht erhielt Gerhard Seyfried (der mittlerweile offenbar gegen Lektoren kämpft) letzte Woche den Wilhelm-Busch-Preis. BlattBlog gratuliert !

Entmenschte Mutter röstet taubes Kind, die zwote

February 23, 2007

Das war also durchaus noch zu toppen, Herr Seyfried. Passiert in München am Rosenmontag in zahlreichen Bild-Zeitungskästen. BlattBlog verweist auf seine stadtbekannte Bildnähe und gratuliert.

update: die Gruppe PO.DEL.KO. outet sich in jetzt.de

Bewegte Bilder

February 15, 2006

BlattBlog testet Videocasting - auf der revolutionären Spreeblick Grundlagenarbeit aufsetzend. Rechts außen unter den Kategorien findet ihr testweise det neue Toni Mahoni-Knöppekes. Erstens sind diese Videos die logische Fortsetzung unseres Ehrensenfbeitrags vom 19.11.05 auf Blatt-Niveau. Zweitens könnt ihr gleich mal gucken, wie ihr bei eurer grassierenden Technikunaffinität, völlig verkonfigurierten Analoganschlüssen und fehlender Playersoftware mit sowas klarkommt. Vielleicht wollt ihr das ja alles auch gar nicht. Wenn hier ordentlich was zurückkommt, bauen wir ähnliches im BlattBlog ein und beglücken euch mit szenischen Folgen à la R. A. Meyer. Empfehlung der Redaktion ist die Folge 1, Bayern und die Weißwurst.

Alle Stehende verdampft

December 17, 2005

„Wir wollen alles“ – 68 als Avantgarde der Konsumgesellschaft
von Stephan Malinowski

Die Geschichte mit Rudi Dutschke und der Cola-Flasche wird manchmal als Anekdote erzählt. Doch es ist schwer zu sagen, wie sie zu entschlüsseln ist. Sie geht so: Einige Wochen vor dem Attentat im April 1968 erhielt Dutschke Besuch von einer Reportergruppe des Wirtschaftsmagazins Capital. Diese brachte neben Delikatessen aus dem KaDeWe auch den Werbephotographen Charles Wilp mit. Wilp, aufgehender Stern einer auf Sex und Pop setzenden Werbeästhetik, schoss vom bereitwillig posierenden Dutschke eine Photoserie.

Im April 1968 zierte sein Konterfei das Capital-Titelbild, die Innenseiten zeigten ihn mit Marx’ Kapital unter dem Arm. Von Capital kam zudem ein potentiell lukratives Angebot: Dutschke solle bei seinen öffentlichen Auftritten stets eine Pepsi-Cola-Flasche in die Reichweite der Kameraobjektive schieben. 1.000 Mark pro Monat wurden geboten. Dutschke lehnte ab. (more…)

BlattBlog wieder schneller!

November 22, 2005

Wenn man die taz von heute liest, beschleicht einen der Verdacht, dass die bereits das BlattBlog kopieren, die Ikone des Computerzeitalters Vannevar Bush war bei uns bereits Anlass für den Beitrag vom 16.11.05 Gruß von meinem Arbeitsplatz. Right on!

Gruß von meinem Arbeitsplatz

November 16, 2005

“Stellen Sie sich ein künftiges Arbeitsgerät zum persönlichen Gebrauch vor, das eine Art mechanisierten privaten Archivs oder Bibliothek darstellt. Es braucht einen Namen, und ich denke, fürs erste wird ‘Memex’ genügen. Ein Memex ist ein Gerät, in dem ein Individuum all seine Bücher, Akten und seine gesamte Kommunikation speichert und das so konstruiert ist, daß es mit außerordentlicher Geschwindigkeit und Flexibilität benutzt werden kann. Es stellt eine vergrößerte persönliche Ergänzung zum Gedächtnis dar.

Der Memex besteht aus einem Schreibtisch, und obwohl er auch aus einer gewissen Entfernung bedient werden kann, arbeitet der Benutzer vor allem direkt an diesem Möbelstück. Oben befinden sich schräge durchscheinende Schirme, auf die das Material bequem lesbar projiziert werden kann. Es gibt eine Tastatur und eine Reihe von Knöpfen und Hebeln. Ansonsten sieht es wie ein gewöhnlicher Schreibtisch aus.”
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Angie räumt ab

November 12, 2005

Angiebanner mit Freuden aus der Schwäbischen Zeitung entnommen, das ist der Online-Auftritt der Ipf- und Jagstzeitung und des Heuberger Boten.