Das Geld reicht für alle

November 6, 2009

Burkhard Müller bricht eine Lanze für das Grundeinkommen:

Ein voraussetzungslos gewährtes Bürgergeld würde den Krampf lösen und den Zwang, dass sich alles menschliche Leben durch sein Verhältnis zur Arbeit zu rechtfertigen hat, beenden. Wer faul sein will, sei faul. Wer arbeiten will, tue das und kassiere eben entsprechend mehr dafür - und zwar richtig mehr, nicht bloß die kümmerliche Differenz zur Stütze: Das wird ein Stimulus von hinlänglicher Kraft sein. Außerdem bricht die Arbeit von unten nach oben weg, die Jobs verschwinden in der Reihenfolge ihrer Unattraktivität, gerade jene zuerst, die am meisten zur Drückebergerei verführen. Die stumpfsinnigeren Dienstleistungen werden aussterben, ja, alle warenproduzierenden Jobs im engeren Sinn, indem die Produktion insgesamt sich langsam jenen Vorgängen annähert, kraft derer in der Natur die Dinge von selber wachsen.

Eines Tages wird die Herstellung eines hölzernen Stuhls nicht mehr einen Holzfäller, einen Schreiner und andere knochenbrechende Gewerke erfordern, sondern die Stühle werden auf dem Feld von allein der Ernte entgegenreifen, weil die Materie dem schöpferischen Menschen jenes Geheimnis verraten hat, nach dem sie sich gewaltlos von innen heraus baut. Dann wäre es gut, wenn die Gesellschaft sich nicht länger über die Arbeit definiert: Es wird nämlich keine mehr da sein. Mit dem Abtrainieren sollten wir heute schon anfangen.

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Der Crashtest-Dummy

February 13, 2009

Jan Feddersen in der taz über Alpha-Blogger Stefan Niggemeier

Wichtig sei ihm aber die Korrektheit, also das Mindeste, worauf es im journalistischen Handwerk ankomme. “Die Bild-Zeitung”, sagt er, “wurde doch eine Zeit lang abgetan”, als Phänomen, als nicht ernst zu nehmende Illustrierte für Erwachsene, als Trash mit hohem Amüsierfaktor, als Spiegel des Irren und Absonderlichen, galt aber zugleich auch als Nachrichtenmedium von Rang. “Mir ging es darum, diesen Mythos wenigstens anzukratzen.” Dass man nicht mehr sagen könne, die Bild-Zeitung zu lesen zeuge vielleicht von schlechtem Geschmack, dafür könne man sich aber auf die Recherchen verlassen. “Stimmt aber nicht. Deshalb bescheiden wir uns mit den scheinbaren Details: nachzuweisen, dass gerade das nicht zutrifft.”

Inzwischen wird das Bildblog selbst von den Springer-Leuten ernst genommen. “Die reagieren auf uns mit einer gewissen Professionalität.” Aber dann hängt er eine Begebenheit an, die die Nervosität der Goliaths andeutet: “Als bei einer Diskussion im ZDF, als ich einen kleinen Vortrag hielt, der Mann von Springer den Saal verließ, als ich zu sprechen anfing, hatte ich das Gefühl: ,Irgendwas machen wir richtig.’ ”

Doch Niggemeiers Argusaugen konzentrieren sich längst nicht nur auf die publizistische Macht der Bild-Zeitung, die menschliche Existenzen zermörsern oder politische Stimmungen befördern kann. Selbst Henryk M. Broder, preisgekrönter Autor des Spiegels, ist vor Niggemeiers Kritik nicht sicher: “Da wichst zusammen, was zusammengehört”, äußerte sich Broder unwirsch, fühlte sich von Niggemeier offenbar persönlich getroffen. Gemünzt war dies auf eine Geschichte, in der nachgewiesen wurde, dass Broders Kampf gegen Antisemitismus, gegen vermeintliche oder wahre Israelfeinde sich aus Quellen bedient, die anrüchig sind, weil sie den Tatsachen nicht standhalten. Niggemeier wies lediglich nach, dass Broders Recherchen nicht stimmen - und der Inkriminierte glaubte, Niggemeier als Krümelsucher abtun zu können. Der Gescholtene wehrt sich: Großschreiber wie Broder meinten, dass man ihnen schon glauben wird, dass ihre Botschaft nicht unbelegt sein könne - “deshalb legen wir auch beim Bildblog vor allem Wert auf die Korrektur gerade der kleinen und oft auch großen Fehler”.

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L’Eclisse - Traders

October 14, 2008

… der Film zum Film, der grade läuft:

L’Eclisse (1962) Starring: Alain Delon, Monica Vitti, Francisco Rabal. Director: Michelangelo Antonioni

Tauchkurse für Printmedien

October 11, 2007

Im Rechtsstreit SZ und FAZ gegen den Perlentaucher gab es eine neue Verhandlung. Es sieht jetzt nicht mehr ganz so rosig aus wie in der ersten Instanz, in der der Perlentaucher (mit positivem Medienecho) gewann.

Im Deutschlandfunk bezeichnete Burkhard Müller-Ullrich den Perlentaucher als das “wichtigste, was im deutschen Feuilleton seit zehn Jahren passiert ist. Wer den Perlentaucher nicht liest, interessiert sich nicht für Kultur oder hat keinen Internetanschluss.”

David Hudson dazu in seinem Filmweblog Greencine:

“A brief note to close this entry. To the Süddeutsche Zeitung and the Frankfurter Allgemeine Zeitung. If you’re going to be that backasswardly stupid as to go to court to try to put a stop to free PR and branding, just shut down your new media departments. So what if Perlentaucher earns a euro or two promoting you at their expense and not yours? Just get off the web right now and save yourselves the time, trouble and money. You never got it, you still don’t and you never will. Get off. And good luck with your paper papers.”

Weiter gebloggt wird sowieso. Die Kommentare bei Heise sind lesenswert.

Update: Perlentauchen gestattet!

Das Pali-Tuch

October 5, 2007

Wenn man sich fragt, womit dieser vielfache Einsatz des Palästinensertuchs und seine neue Beliebtheit vor allem im Modedesign zu tun haben, dann könnte man vielleicht sagen, dass es unter den berühmt gewordenen Kleidungsstücken mit politischem Ursprung das einzige ist, das auf ein Muster reduzierbar ist. Alle ähnlichen Accessoires, wie die Kappe Castros, der rote Stern, die Mao-Jacke, sind in ihrer Variationsfähigkeit beschränkt. Das Palästinensertuch dagegen ist, unabhängig von seiner konkreten Funktion, zu einem weltberühmten Markenzeichen geworden, eine Art provokatives Burberry-Karo. Deshalb taucht es allein in diesem Jahr nicht nur als das altbekannte schlichte Tuch auf, sondern auch als perlenbestickter Schal, als Kleid oder Reisetasche.

Eine besonders interessante Abwandlung hat sich anlässlich des Münchner Oktoberfestes ergeben. Die Traditionsgeschäfte der Stadt führen gerade Dirndl-Schürzen im Palästinensertuch-Look. Der lange Weg, den das Muster zurückgelegt hat, wird hier besonders anschaulich. Aus dem politischen Zeichen ist ein Bestandteil bayerischer Folklore geworden, ein Element des Crossovers von Trachten.

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Dreisatzprobleme

July 27, 2006



in der Riesenmaschine hat Kathrin Passig

“Bush an Angie” kostet 20 Mio €

July 12, 2006

Free Alaa

May 12, 2006

Ehrensenf, die zweite

February 24, 2006

BlattBlog hatte diese hochgradig nervige Form des neuen Internetfernsehens letztes Jahr bereits wärmstens empfohlen, mit der Nase immer hart am Trash …


Jetzt ist Spiegel Online auch schon da mit “Ehrensenf ist extrascharf”.
Und Katrin darf dort jetzt auch im embedded Video ihre Sprüche klopfen. So schnell kanns gehen. Leise raucht der Ehrensenf-Server.

On n’oublie rien de rien

February 23, 2006


Wir vergessen nichts, aber auch gar nichts!
Wir sind, um es einmal so zu sagen, unvergesslich.

(Anonym, Palermo, 20. Jahrhundert)