Fliegende Fahnen

June 12, 2008

Das Merkwürdige der Fähnchen jetzt an den Autos: sie zitieren ein stürmisches Symbol, die im Wind wehende Flagge, reduzieren es aber auf Wimpelgröße. Dann scheint das wieder nicht genug. Also werden in symmetrischer Aufteilung zwei oder gleich vier Fähnchen an den oft sehr teuren Autos angebracht, oder, erst heute wieder gesehen, an Satteltaschen von Motorrädern. Das wirkt ein bisschen, wie wenn Polizisten nicht Polizeiuniformen, sondern als Polizeiuniform bedruckte Kinder-T-Shirts tragen würden, um lieber doch nicht als die Bullen, die sie sind, erkannt zu werden.

gefunden in Goncourt’s Blog.

Die Natur vor uns

April 30, 2008

Niels Bolbrinkers Film hat seine Premiere auf dem Münchner Dokumentarfilmfestival am 1. Mai und am 3. Mai 2008. Der Film, eine Filmtank-Produktion, den der Verleih Real Fiction im Herbst ins Kino bringen wird, beschäftigt sich mit dem Verhältnis der Menschen zur Natur und ihren Abbildungen. Im Zentrum des Films stehen Leben und Werk von Alfred Ehrhardt, der als grosser Fotograf der Neuen Sachlichkeit und als Kulturfilmer in seinen abstrakten Landschafts- und Naturbildern der Natur selbst den Rang einer Künstlerin zuwies. Klick aufs Bild, um zur Alfred Erhardt Stiftung zu gelangen. Auch nicht schlecht gemacht, die Seite.

Der Pfad des Kriegers

January 9, 2008

WOFÜR LEBEN WIR? WOFÜR STERBEN WIR?

1982 kehrt der angehende Priester Michael N. Europa den Rücken und
geht zu den Jesuiten nach Südamerika. 8 Jahre später entführt er als
Kopf eines Guerilla-Kommandos den Coca-Cola-Chef von Bolivien und
stirbt den Märtyrertod.

filmtank zeigt im Wettbewerb um den Max Ophüls Preis 2008

Des alten Knaben Wunderhorn

October 7, 2007

»Radio is the shortened name for radiotelegraphy«, erläutert der Sprecher, denn das Medium scheint noch nicht allgemein bekannt. »We’re speaking through an all-metal-type tube, a highly efficient resonating device.« Ort des Geschehens ist ein kleines Studio in einem Haus namens The Abernathy Building im Zentrum von Washington, D.C.; und eingeführt worden ist der Sprecher, wie in jeder Woche, durch die Beschwörung einer nächtlichen Großstadtszenerie. »It’s nighttime in the big city«, raunt eine rauchige Frauenstimme, wenn die Sendung beginnt (es ist, wie erst nach Monaten enthüllt wird, die Stimme der Schauspielerin Ellen Barkin). Dann folgen, während aus dem Hintergrund das Rauschen und Lärmen des Verkehrs heranbrandet, zwei Sätze, die wie eine Szenenbeschreibung zu einem Film noir klingen oder zu einem Gemälde von Edward Hopper. »Fog rolls in from the waterfront. A nightshift nurse smokes the last cigarette in the pack. It’s Theme Time Radio Hour with your host Bob Dylan.« Diese Zweizeiler ändern sich in jeder Woche (auch wenn sich einzelne im Laufe der Zeit wiederholen): »Newly weds make love on a roof. A ringing phone goes unanswered.« Oder: »A writer stares at an empty sheet of paper. A writer stares at an empty sheet of paper.« Und so fort. Nur der Rahmen bleibt immer gleich, ein verheißungsvoll-dunkler Refrain. Immer ist es Nacht in der großen Stadt, und immer begrüßt uns in ihr ein Moderator namens Bob Dylan zur Stunde des Radios.

Eine kalkulierte Provokation war schon die erste Folge, im Mai 2006. Ganz Amerika redete von Bush. Nur Bob Dylan, ausgerechnet, redete vom Wetter. »Weather« lautete sein Thema, und es war vom ersten Satz an klar, daß er das vollkommen ernst meinte – allerdings auf eine unerwartete Weise. »Curious about the weather?« fragt er gutgelaunt und empfiehlt: »Just go over to your window or take a walk outside!« Und während er unterschiedlichste Songs der vierziger, fünfziger und sechziger Jahre aus seiner Plattensammlung hervorzieht, erzählt er von einer korrupten Justiz und von der Art, in der diese Songs darauf geantwortet haben: Indem sie vom Wetter sprachen, zum Beispiel.

Ganz nah am Mikrophon ist Dylans Stimme dabei (wie jedesmal), so daß ihre Nähe physisch zu spüren ist, und doch weit entfernt in einer Welt, die außerhalb unserer Gegenwart liegen muß. Es ist die rauhe und heisere Stimme eines in Würde gealterten Bluesmannes, dabei im Laufe der Wochen erstaunlichen Schwankungen unterworfen, manchmal garstig fauchend, manchmal einschmeichelnd sanft. Stets bis an den Rand der Manier überartikuliert, kostet er jedes Wort aus. »The Santa Ana winds«, flüstert er, »are like the winds of the Apocalypse«. Man muß hören, wie er das letzte Wort zischen läßt, um die Verwandtschaft zu ahnen zwischen Dylans »Weather«-Sendung und dem Vers des Rockpoeten von 1965: »You don’t need a weatherman to know which way the wind blows.« (more…)

Manu Chao - Rainin In Paradize

September 11, 2007



Ohne Worte

Edmund Stoiber - Das Vermächtnis

August 9, 2007

Gerade bei Kunstmann erschienen:

»Edmund Stoiber – Das Vermächtnis« feiert in einem rasanten Hörbild all die unvergleichlichen Ideen und Taten des bayerischen Titans: Stoibers Visionen für das Verkehrswesen, seinen Kampf gegen die Globalisierung, seinen Einsatz für den Osten Deutschlands und seine Vorschläge zur Neuregelung von Kompetenz-Kompetenzen und anderen heiklen Dingen. All das ist aus seinem eigenen Munde zu hören, einfühlsam begleitet und besungen von der Biermösl Blosn. »Edmund Stoiber – Das Vermächtnis« zeichnet ein eindrucksvolles Bild des größten Ministerpräsidenten aller Zeiten – mit allen O-Ton-Klassikern (vom Problembär-Diskurs über die Jahrhundertrede zum Transrapid bis zur Analyse des brasilianischen Wundersturms) sowie mit einer Vielzahl rhetorischer Spitzenleistungen, die Sie nie im Internet finden werden. Wer Heinrich Lübke mochte, wird Edmund Stoiber, den Freund der Fauna, der Frauen und des Fernsehens, nach diesem Hörbuch endlich lieben!

Enthält u.a. auch den BlattBlog-Klassiker In München durchstarten vom Januar 2006 und viele andere Highlights aus dem Audioschaffen des größten Ministerpräsidenten aller Zeiten. Für alle, die schon immer mal anspruchsvolleres Bavarica verschenken wollten!

die taz hats

June 27, 2007

Die gute alte taz war vor 12 Jahren die erste überregionale Zeitung im Internet. Und sie hatte sich seither online so ein herrlich dröges, textlastiges Layout bewahrt, eben die online taz, wie wir sie kannten. Jetzt gabs ein nagelneues Sommerkostümchen für die alte Dame - und die taz sieht jetzt richtig schick aus - ja wie denn?
Wie die meisten online-Zeitungen, das ist das Hauptproblem, das alte taz online Leser jetzt haben.

Eigentlich wollten wir unsere User mit dem neuen Auftritt angenehm überraschen. Dabei haben wir freilich manch treuen Leser der alten Onlinetaz vor den Kopf gestoßen. Auch weil wir einen Fehler gemacht hatten: Im neuen System konnte man plötzlich nicht mehr durch die aktuelle Zeitungsausgabe blättern. Zu recht wurde diese Funktion lautstark zurückgefordert - und wir brauchten leider zwei Tage dafür. Wir bitten um Entschuldigung.

Nach den üblichen Startpannen (über 300 Kommentare im Leserforum) fängt man offenbar an, sich an das Ganze zu gewöhnen - auf beiden Seiten. BlattBlog meint, weiter so. Im Netz sein Gesicht zu verlieren ist mittlerweile normal. Es kommt auf den Content an und der bleibt weiter auf unserer Linie.

Die Finsternis im Mai

May 2, 2007

DIE FINSTERNIS
von Thomas Tielsch
nach einem Roman von L.F.Céline
Kamera: Bernd Mosblech Musik: Paul Lemp

Ein Meisterwerk der Montagekunst. Unbedingt sehenswert!
(Hamburger Abendblatt)

Am Freitag, 18. Mai um 0.10 h auf arte.

Früher, grösser, lauter und schöner in:
Berlin Literaturhaus Fasanenstr. 23 Dienstag 8. Mai um 20h
Frankfurt Naxoshalle Wittelsbacher Allee 29 Dienstag 8. Mai um 20h
Stuttgart Literaturhaus Breitscheidstr. 4 Mittwoch 16. Mai um 19h
mit Sigrid Löffler und Thomas Tielsch
Köln Literaturhaus Schönhauser Str. 8 Dienstag 29. Mai um 20h

mehr zum film unter www.filmtank.de

Die Kuttner-Show

April 19, 2007

Nach Ehrensenf (seinerzeit vom BlattBlog früh entdeckt und mittlerweile im SpiegelOnline gelandet) und Toni Mahoni ein drittes VideoBlog, das sich BlattBlog zu empfehlen traut - brandneu und für alle Papierallergiker:

Kuttner bei der Netzeitung. Wir empfehlen als Einstieg die Folge 2. Jürgen Kuttner auf dem Weg zum Kult.

30 Jahre KingKong Kunstkabinett

February 27, 2007

9. März bis 6. Mai 2007
King Kong Kunstkabinett - Die ersten 30 Jahre
Malerei und Film im Kallmann Museum Ismaning

Die Münchner Künstlergruppe King Kong Kunstkabinett wurde 1977 von den drei Künstlern Walter Amann, geb. 1942, Wolfgang Schikora, geb. 1945 und Ulrich Zierold, geb. 1946 ins Leben gerufen. Im Jahr 2007 begeht sie ihr 30jähriges Jubiläum mit einer Rückschau auf ihr Kunstschaffen in Malerei und Film.

Künstlergemeinschaften sind meist flüchtige Zusammenschlüsse junger Künstler, die im Moment des Einzelerfolgs eines Mitglieds auseinanderbrechen. Nicht so das King Kong Kunstkabinett, das über 30 Jahre hinweg ohne Bruch und in gleicher Konstellation kreativ tätig ist.

Die drei Maler arbeiten kollektiv und gleichberechtigt. Jedes Werk entsteht als „work in progress“, jeder reagiert auf das, was der andere einbringt, treibt es weiter oder korrigiert. Wie bei der Improvisation im Jazz entsteht aus drei künstlerischen Sichtweisen ein vierter Weg, der die unverwechselbare Handschrift der Gruppe ausmacht. Natürlich ist durch das ständige Überarbeiten der Ausgang jedes neubegonnenen Werks ungewiss und gilt als Experiment. Mit dieser ungewöhnlichen Arbeitsweise und ihrem figurativen Stil ist die Künstlergruppe bundesweit und international bekannt geworden.

Die oft großformatigen und farbigen Gemälde stecken voller Ironie und Witz. In verzerrten Perspektiven und gekippten Ebenen thematisieren sie die Absurdität des Alltags. Dargestellt sind unterschiedliche Menschen, die in durchaus normalen Situationen – beim Skifahren, im Fernsehstudio, auf einer Vernissage – entlarvend anormal agieren. Ihr Verhalten wird durch die ins Bild gemalten, oft polemischen Titel kommentiert. Der kritisch-humorvolle Blick auf unsere Gesellschaft und das politische Tagesgeschehen ist nicht nur in der Malerei des Kunstkabinetts Programm. Er steht auch in ihren Kunstfilmen, die im Montagestil mit ganz geringen Mitteln gedreht werden, im Vordergrund.