Superhelden

November 21, 2009

Ein Überfall: Maskierte stürmen in einen Hamburger Feinkostladen, greifen schnell zu und verschwinden ebenso schnell wieder. Was sie tun, ist illegal: Verkleidet mit Comic-Kostümen und Karnevalsmasken, überfällt eine Gruppe junger Leute Edelrestaurants und Gourmet-Geschäfte. Sie nennen sich selbst “Superhelden”.

Die Superhelden wissen, wie man Aufmerksamkeit erregt.
In einer Pressemitteilung schreiben sie, dass sie angesichts übermäßigen Reichtums in Deutschland nicht länger bereit seien, sich mit Armut, sinkenden Löhnen und schlechten Arbeitsbedingungen abzufinden und sprechen von der “Aneignung des gesellschaftlichen Reichtums”. Das Diebesgut verteilen sie an Bedürftige, Kindertagesstätten und Ein-Euro-Jobber. Mit diesen symbolischen Aktionen will die Gruppe vor allem Aufmerksamkeit erregen: “Es wird keine gesellschaftliche Veränderung ohne Ungehorsam und Rebellion geben,” sagt einer der Vermummten in die Kamera

Es geht den “Superhelden” um die Zukunft von Menschen wie Kathie. Sie ist 30 Jahre alt, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Ihr Schicksal und ihre Lebensgeschichte stehen im Mittelpunkt der Dokumentation. Aufgewachsen ist sie in Bolivien, seit sieben Jahren lebt sie in Hamburg, studiert Soziologie im letzten Semester. Sie hält sich mit drei kleinen Jobs über Wasser. Nur so kann sie ihren Lebensunterhalt sichern und ihre Kinder ernähren. Tagsüber arbeitet sie in einer Anwaltskanzlei und als Tutorin an der Uni. Abends verteilt sie Flyer. Dazwischen versucht sie, sich auf ihre Prüfungen vorzubereiten und die Aufgaben einer Mutter zu bewältigen. Weil das Geld nicht reicht, fällt sie unter “Hartz IV” und erhält Unterstützung vom Sozialamt.

“Ich gebe mein bestes für diese Gesellschaft,” sagt Kathie über ihre Situation. “Ich studiere, habe gute Noten, arbeite und habe Kinder in die Welt gesetzt. Und was bin ich? Ein Asi. Ich habe nicht mal Geld für die Klamotten meiner Kinder.” Einmal in der Woche geht Kathi mit ihren Freundinnen los und sammelt Essen aus den Müllcontainern der Supermärkte: “Wenn wir von dem leben würden, was uns zur Verfügung steht, dann würden wir nur Weißbrot essen, Tost, fertige Mortadella und Scheibletten-Käse und ich sehe nicht ein, am Essen zu sparen. Und ich hole mir das Essen auch - egal wie.”

Superhelden ein Film von Janek Romero im SWR Fernsehen - Sendung am Montag, 30.11.2009, 23.00 bis 0.00 Uhr
Alles lesen beim SWR
Fotos via sum1.onreact.com (1) und SWR (2)

Kalle, gib mal Zeitung

October 5, 2009


Die Ausstrahlung dieses zweiteiligen Werbespots der taz konnte die “BILD”-Zeitung seit 2005 mit juristischen Tricks unterbinden. In letzter Instanz hat die taz nun vorm BGH Recht bekommen.

Auf gehts!

September 1, 2009

Jetzt geht der Wahlkampf erst richtig los:

Ohne Worte. Via Spreeblick.

Berliner Innensenatorium

July 24, 2009

Unser Mann in Berlin hat wieder zugeschlagen:

Die Berliner Polizei hat, wie heute gemeldet, Wachskerzen bei Lichterketten und Demonstrationen verboten, da Wachsreste die öffentliche Sicherheit gefährden könnten. Stattdessen solle man Feuerzeuge verwenden. Ist das nicht noch viel gefährlicher für die öffentliche Sicherheit? Mit diesen Teufelsapparaten lassen sich nämlich nicht nur Zigaretten in Gaststätten anzünden, sondern auch Autos und, schlimmer noch, Wachskerzen! Auch eignen sie sich zur Entfachung von Zimmerbränden, Waldbränden, Großbränden, Flächenbränden und überhaupt Schadensfeuern aller Art.

Demonstranten führen jedoch noch viel mehr gefährliche Gegenstände mit sich, die der Aufmerksamkeit unserer Öffentlichen-Sicherheits-Hüter entgangen sind, etwa Schlüssel (Schlüsselfiguren!), Fahrräder (Rädelsführer!), Kleidung (Vermummung!), Regenschirme (Abschirmung!), Ausweise (Ausweisungskandidaten), keine Taschenlampen (Verdunkelungsgefahr!).
Ich finde, ein Innensenatorium, das sich wirklich um die öffentliche Sicherheit sorgt, sollte konsequenter vorgehen (Klotzen, nicht kleckern!).

Vorschlag:
1. Demonstrationsteilnehmer dürfen nur noch nackt auftreten.
2. Demonstrationen sind nur noch von Mitte Dezember bis Mitte Februar erlaubt.
3. Weihnachten wird verboten (Wachskerzen!!!)

Für diese Vorschläge habe ich Geschmacksmusterschutz beantragt: Alle Rechte vorbehalten.

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Ströbele zum 70.

June 15, 2009

Durch Klick auf den Comic selbigen im Internetz anschieben, geht dann wie durch ein Wunder weiter bei der taz.

Filmverlag der Autoren - die Edition

April 16, 2009

Aufbruch in die deutsche Kinogeschichte - die fünfzig DVDs umfassende “Edition Filmverlag der Autoren”

Der Himmel war offen damals, die Blicke konnten weit greifen. Es war Sommer in der Stadt, und eine mysteriöse Vision schien insgeheim das lässig-absurde Treiben der Menschen zu bestimmen - Ein großer graublauer Vogel. So hieß der erste Spielfilm von Thomas Schamoni, der es als Filmemacher nie zur gleichen Bekanntheit gebracht hat wie seine Brüder Ulrich und Peter, aber sein “Vogel” aus dem Jahr 1970, so viel steht fest, ist eins der elementaren Stücke des Jungen Deutschen Kinos. Der Film macht Spaß und er berührt. Er hat Klaus Lemke und Marquard Bohm, Lukas Ammann und Robert Siodmak. Er hat ein starkes Gespür für Individualismus, aber ein nicht geringeres für Solidarität. Er kann alles, was Fassbinder kann und Rudolf Thome. Er hat ein Licht, das die Vergangenheit durchdringt und die Zukunft erleuchtet. In der Filmverlag der Autoren Edition, die bei Arthaus erschien, ist “Ein großer graublauer Vogel” nun erstmals auf DVD veröffentlicht.


Sylvie Winter und Klaus Lemke in Thomas Schamonis „Ein großer graublauer Vogel“

Von einer Kooperative und von Kooperation handelt die Geschichte des Filmverlags der Autoren, des Versuchs junger Filmemacher in München, die Produktion und den Verleih ihrer Filme selber zu bestimmen und zu organisieren. Eine Erfolgsgeschichte der Siebziger, die nach wenigen Jahren alle Anzeichen solcher Erfolgsgeschichten zeigte - Risse an der Oberfläche, übertünchte Schwachpunkte, Konstruktionsfehler. Thomas Schamoni ist einer der heimlichen Helden des Filmverlags - in seiner Wohnung wurde der Verein damals gegründet, als P1FDA - Produktion 1 im Filmverlag der Autoren, am 15. April 1971, drei Tage nach Ostern. Das Modell hatten die Schriftsteller geliefert, mit ihrem Verlag der Autoren. Schamoni galt als kreativ und organisatorisch versiert zugleich. Neben ihm und ebenso unsichtbar agierten Laurens Straub, Michael Fengler, Veith von Fürstenberg, Christian Friedel. Die Galionsfiguren im Scheinwerferlicht der großen Festivals aber gaben andere ab - Wenders und Herzog, Fassbinder und Schlöndorff. Ihre Filme sind bereits in diversen Autoren-Editionen zugänglich, sie schlagen die großen Schneisen auch durch diese Edition. Dazu gibt es eine kleine Chaussee durchs bajuwarische Hinterland - Ruth Drexel, die als Adele Spitzeder eine frühe Münchner Kreditblase auslöst im Film von Peer Raben, ein Western von Uwe Brandner, “Ich liebe dich, ich töte dich”, Michael Verhoevens regionale Vergangenheitsbewältigungen, die Filme von Percy Adlon, die nach Bayern zurückweisen, gerade wenn er sie mit Fernweh koloriert. Es gibt “Lina Braake”, einen der Mega-Erfolge des Filmverlags, und die drei engagierten Gemeinschaftswerke, von Kluge und Schlöndorff durchgezogen - neben dem omnipräsenten “Deutschland im Herbst” noch “Der Kandidat”, über das Schreckgespenst eines Bundeskanzlers Strauß, und “Krieg und Frieden”, über atomare Untergangsstimmungen . . . (more…)

attac kapert DIE ZEIT

March 23, 2009

attacs Falschausgabe der “Zeit” erregt deutschlandweit große Aufmerksamkeit. Heute liegt sie der Montagsausgabe der taz bei.

Sehenswert auch der gut gemachte Fake der Online-Ausgabe.

Mehrere 100 Attac-Mitglieder hatten die Zeitung am Samstag in insgesamt 90 Städten deutschen Städten verteilt. Auch eine Onlineausgabe im Zeit-Gewand hat Attac auf die Beine gestellt. Dadurch sorgten Sie bundesweit für großes Medienecho.

Neben diversen Onlinemagazinen hatte auch das ZDF über die Aktion berichtet. “Mit so einer großen und schnellen Resonanz haben wir nicht gerechnet”, sagt Fabian Scheidler von Attac. “Das hat uns sehr gefreut.” Der Ansturm auf die kopierte Zeit-Website war ebenfalls enorm. Die Webmaster von Attac registrierten bis zu 2.000 Klicks pro Minute, die Seite war zeitweilig nicht erreichbar.

Die Redaktion der echten Zeit erfuhr erst in der Nacht von Freitag auf Samstag von dem Plagiat. “Fälschungen können wir natürlich nicht gutheißen, vor allem nicht in dieser Qualität,” sagte Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo daraufhin am Samstag. Eine Klage schloss der Verlag jedoch aus.

Er staune über den Aufwand, das ginge richtig ins Geld, sagte Di Lorenzo. Darüber habe man bei Attac geschmunzelt, sagt Scheidler. “Der Großteil der Arbeit sei ehrenamtlich geleistet worden.” Die Kosten zur Produktion hätten bei 15.000 Euro gelegen, die zum großen Teil durch Spenden finanziert wurden.

Für Scheidler von Attac ist jetzt wichtig, dass die Nachrichten in der falschen Zeit wahr werden. Dafür würde Attac unter anderem am 28. März mit großen Demonstrationen in Berlin und Frankfurt zum G-20-Gipfel kämpfen.

Zukunft jetzt, sonst setzt es Prügel

February 10, 2009

Die Krise der Schallplattenindustrie beschäftigt nun Kongresse. Nutzt das etwas?
von JENS-CHRISTIAN RABE

Es war, ohne Zweifel, ein Moment der Wahrheit. Nur war nicht ganz klar, ob die Diskussion in diesem Moment ganz bei sich gelandet oder ganz weit vom Weg abgekommen war. Was war passiert? Achim Bergmann, Chef des kleinen und denkbar sorgfältig die oft unverdient vergessenen Ecken des Pop-Kosmos aufarbeitenden unabhängigen Münchner Musiklabels Trikont, hatte die Pop-Lobbyisten Dieter Gorny und Mark Chung, die am vergangenen Freitagabend mit ihm auf dem Podium im Berliner Haus der Kulturen der Welt saßen, etwas grob als “schleimige Typen” angegangen.

Chung versprach nach einer Schrecksekunde Bergmann eine Tracht Prügel. Und nur Gudrun Gut, die große alte Dame des deutschen Techno, verhinderte mit einiger Geistesgegenwart Drastischeres, indem sie aufsprang und - halb amüsiert, halb ernsthaft erschrocken - um Hilfe rief. Es verfehlte seine zivilisierende Absicht nicht.

Der Ruf schien alle daran zu erinnern, was sie trotz aller alten Differenzen stärker eint, als sie es sich je gewünscht haben dürften: die komplizierte Lage ihrer Branche, die aufgrund der massenhaften illegalen und legalen kostenlosen Verbreitung von Musik im Internet kaum noch CDs verkauft und also ihre wirtschaftliche Grundlage verliert … (more…)

Dreamin’ of you

October 22, 2008


Harry Dean Stanton wirbt für Tell Tale Signs: The Bootleg Series Vol. 8

Update: Die Spitze des Eisbergs Dylan in der taz von heute.

radiomultikulti darf nicht sterben

September 29, 2008

Debatte um Schließung des Senders radiomultikulti tritt in die entscheidende Phase

Die Chance, das Aus des Integrationssenders zu verhindern, währt nur noch wenige Wochen. Wenn sich morgen die RBB-Rundfunkräte mit Intendantin Dagmar Reim zur Klausurtagung treffen, wird es erneut Kontroversen um radiomultikulti geben. Die Proteste beruhigen sich nicht. Im Gegenteil, nachdem am letzten Mittwoch der Medienausschuss im Abgeordnetenhaus nahezu geschlossen den Erhalt des Senders eingefordert hat, weht der Intendanz ein schärferer Wind entgegen.

Die Intendantin hatte unter anderem die Erläuterung ihres Sparkonzepts mit der Begründung verweigert, sie müsse den Haushalt bloß vor dem RBB-Verwaltungsrat rechtfertigen. Nach dieser Informationsblockade erwartet Gabriele Hiller, medienpolitische Sprecherin der Linksfraktion, dass Reim »die Zahlen und Fakten bezüglich radiomultikulti in den Rundfunkgremien offen legt« – und fordert Alternativen zur Schließung der Welle. Mit dem Abschalten von radiomultikulti wollte Reim in den nächsten vier Jahren je vier Millionen Euro einsparen, zuletzt wurden aber nur noch rund drei Millionen pro Jahr genannt. Da viele der 80 bis 100 Freien mit ihrer interkulturellen Kompetenz im RBB gebraucht werden, dürfte sich der Betrag weiter reduzieren.

Während die Hörfunkdirektion dieser Tage harte Personalgespräche führt, will die medienpolitische Sprecherin der Grünen, Alice Ströver, Überzeugungsarbeit leisten. Nach Reims Auftritt im Medienausschuss ist sie optimistisch, im Abgeordnetenhaus die Mehrheit für eine verzögerte Zustimmung zum neuen Rundfunkstaatsvertrag zu gewinnen. So soll eine bundesweite Erhöhung der GEZ-Einnahmen erst ermöglicht werden, wenn alle wichtigen politischen Fragen geklärt sind. Das größte Gewicht in die Waagschale werfen können aber morgen die Rundfunkräte, da der anstehende RBB-Haushalt für das Jahr 2009 von ihnen genehmigt werden muss. Sollten sie nicht alles abnicken, kann die RBB-Spitze das Aus des Senders auch nicht in Beton gießen, wenn am 16. Oktober Finanzausschuss und Verwaltungsrat tagen. Der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Hartmann Kleiner, ein CDUler der alten Landowsky-Riege, soll die treibende Kraft für das geplante Ende von radiomultikulti sein, munkelt man im Abgeordnetenhaus. Aktuell gibt es einen Hoffnungsschimmer, da die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) dem von Gebührenausfällen besonders geplagten RBB im Zuge des ARD-internen Gebührenausgleichs ein paar Millionen Euro zusätzlich zusprechen könnte.

Von Axel Brocke

Wem das Plakat irgendwie bekannt vorkommt, der hat recht. Einfach draufklicken.